Last Time Buy: die richtige Bevorratungsmenge berechnen
Wenn ein Hersteller die Abkündigung eines Bauteils bekannt gibt, folgt meist ein eng bemessenes Zeitfenster für den Last Time Buy (LTB) – die letzte Möglichkeit, das Bauteil direkt beim Originalhersteller zu bestellen. Wer die Bedarfsmenge falsch einschätzt, riskiert entweder teure Überbestände oder Produktionsstillstände in den Folgejahren.
Was ist ein Last Time Buy?
Ein Last Time Buy ist die abschließende reguläre Bestellmöglichkeit für ein abgekündigtes Bauteil, nachdem der Hersteller das End-of-Life-Datum (PCN/EOL-Mitteilung) kommuniziert hat. Die Bestellfrist beträgt üblicherweise 6 bis 18 Monate nach der Ankündigung; danach ist das Bauteil beim Originalhersteller nicht mehr verfügbar. Mehr Hintergrundwissen dazu liefert der Artikel Was bedeutet End-of-Life bei elektronischen Bauteilen?
Die Kalkulation der Bevorratungsmenge
Eine belastbare LTB-Menge ergibt sich aus mehreren Faktoren, die Sie möglichst präzise ermitteln sollten:
- Jahresbedarf (Stück/Jahr) – Durchschnitt der letzten zwei bis drei Jahre, bereinigt um bekannte Produktanläufe oder -ausläufe.
- Geplante Restproduktionslaufzeit (Jahre) – Wie lange wird das betreffende Endprodukt noch gefertigt oder gewartet?
- Sicherheitszuschlag – Puffer für Nachfrageschwankungen und Verzögerungen beim Nachfolgeprodukt, typischerweise 10–20 % des Grundbedarfs.
- Ausschuss- und Reparaturbedarf – Fertigungsausschuss, Garantiefälle, Ersatzteilversorgung für bereits ausgelieferte Geräte.
- Bereits vorhandener Lagerbestand – Eigene Bestände und bestätigte Liefermengen aus laufenden Rahmenverträgen abziehen.
Die Grundformel lautet:
Rechenbeispiel (illustrativ)
Ein Maschinenbauer verwendet ein Mikrocontroller-IC in einem Steuerungsmodul. Beispielwerte: Jahresbedarf 2 000 Stück, geplante Weiterfertigung 4 Jahre, Sicherheitszuschlag 15 %, Reparaturbedarf 200 Stück Gesamtlaufzeit, vorhandener Bestand 500 Stück.
Berechnung: (2 000 × 4) + 15 % × 8 000 + 200 − 500 = 8 000 + 1 200 + 200 − 500 = 8 900 Stück. Dieses Beispiel dient der Veranschaulichung; Ihre tatsächlichen Werte können erheblich abweichen.
Risiken auf beiden Seiten
Zwei gegenläufige Fehler sind in der Praxis besonders häufig:
- Überbevorratung: Kapital wird gebunden, Lagerfläche belegt, und bei einer frühzeitigen Produkteinstellung drohen Abschreibungen auf unverkäufliche Bestände.
- Unterdeckung: Fehlende Bauteile stoppen die Produktion oder machen kostspielige Notbeschaffungen am Spotmarkt notwendig – oft zu Vielfachen des ursprünglichen Preises.
Lagerung: worauf Sie achten müssen
Eine falsch gelagerte LTB-Charge kann wertlos werden, bevor sie verbaut ist:
- ESD-Schutz für empfindliche ICs und diskrete Halbleiter – ESD-Beutel, leitfähige Behälter, geerdetete Regalsysteme.
- MSL-Anforderungen (Moisture Sensitivity Level) – feuchtigkeitsempfindliche Packages müssen trocken und gegebenenfalls in Trockenschränken gelagert werden.
- Herstellerangaben zur Lagerlebensdauer beachten; viele Halbleiter haben eine Lagerfähigkeit von 2–5 Jahren unter Standardbedingungen, Kondensatoren und Akkumulatoren oft weniger.
- FIFO-Prinzip beim Verbrauch sicherstellen und Lagerchargen regelmäßig auf Benetzbarkeit (Lötbarkeit) prüfen.
Alternativen, wenn der LTB-Termin verpasst wurde
Nicht immer erreicht eine PCN-Mitteilung alle Beteiligten rechtzeitig. Wurde das LTB-Fenster verpasst, stehen folgende Wege offen:
- Beschaffung über zertifizierte Broker und Excess-Inventory-Pools (geprüfte Restbestände aus Überproduktion).
- Bauteil-Matching – Identifikation eines kompatiblen Ersatztyps, der ohne oder mit minimalem Redesign einsetzbar ist.
- Bedarfsorientiertes Pooling mit anderen Abnehmern, um Mindestbestellmengen zu erreichen.
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